Ziele wirken — und haben Nebenwirkungen
Eine der bestbelegten Theorien der Arbeitspsychologie. Und eine, deren Erfinder vor ihrem Missbrauch gewarnt wurden.
Gut belegt Für den Kern dieser Methode gibt es mehrere unabhängige Untersuchungen, die in dieselbe Richtung zeigen.
Ziele haben bei mir schon beides bewirkt: Sie haben Vorhaben getragen, die ich sonst liegen gelassen hätte — und sie haben mich Dinge übersehen lassen, die neben dem Ziel lagen. Beides steht in der Forschung, und zwar von denselben Leuten.
Locke und Latham haben über Jahrzehnte gezeigt, dass konkrete, anspruchsvolle Ziele zu besserer Leistung führen als der Vorsatz, sein Bestes zu geben. Die Befundlage stützt sich auf mehrere hundert Untersuchungen und gehört zum Solidesten, was die Arbeitspsychologie zu bieten hat.
Der Befund hat aber Bedingungen, die gern weggelassen werden. Er gilt vor allem für überschaubare Aufgaben mit klarer Rückmeldung. Bei komplexen Vorhaben, bei denen man erst lernen muss, wie es geht, schneiden Lernziele besser ab als Ergebnisziele.
Und es gibt eine ausdrückliche Gegenrede aus derselben Disziplin: Ordóñez und Kollegen fassten 2009 unter dem Titel „Goals Gone Wild" zusammen, was Ziele anrichten können — verengter Blick, vernachlässigte Bereiche außerhalb des Ziels, höhere Risikobereitschaft und mehr Regelverstöße.
Für zenzaa ist genau das der Grund, warum Compass Ziele zulässt, aber nicht verlangt. Ein Ziel ist ein starkes Werkzeug. Ein Leben, das nur aus Zielen besteht, ist keins.
Quellen zu diesem Beitrag
- Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002): Building a Practically Useful Theory of Goal Setting. American Psychologist. Suchen (öffnet in neuem Fenster)
- Ordóñez, L. D., Schweitzer, M. E., Galinsky, A. D. & Bazerman, M. H. (2009): Goals Gone Wild. Academy of Management Perspectives. Suchen (öffnet in neuem Fenster)
Genannt ist, was ich gelesen habe — nicht, was meine Aussagen beweist. Wo „Suchen" steht, ist die Fundstelle noch nicht einzeln bestätigt; ich trage keine Kennung ein, die ich nicht nachgeschlagen habe.