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ZENZAA

Zeit

Fast alles, was an einem überfüllten Tag schiefgeht, hat mit zwei Dingen zu tun: Wir schätzen Dauer schlecht ein, und wir behandeln eine Liste, als wäre sie ein Plan. Beides ist untersucht — und beides erklärt mehr als jeder Ratschlag zur Disziplin.

Planning Fallacy

Wir schätzen die Dauer eigener Vorhaben systematisch zu kurz — und lernen erstaunlich wenig daraus.

Gut belegt Für den Kern dieser Methode gibt es mehrere unabhängige Untersuchungen, die in dieselbe Richtung zeigen.

Eines meiner Probleme bei der Aufgabenplanung kenne ich seit Jahrzehnten: Ich glaube ziemlich regelmäßig, dass etwas schneller erledigt ist, als es am Ende tatsächlich dauert. Interessanterweise ist das keineswegs nur mein persönliches Problem. In der Psychologie gibt es dafür sogar einen Namen: Planning Fallacy.

Kahneman und Tversky beschrieben 1979 einen Fehler, der nicht zufällig streut, sondern immer in dieselbe Richtung zeigt: Menschen sagen für eigene Vorhaben zu kurze Dauern voraus — auch dann, wenn sie aus Erfahrung wissen, dass Vergleichbares länger gedauert hat.

Buehler, Griffin und Ross prüften das 1994 an Studierenden und ihren Abschlussarbeiten. Selbst als ausdrücklich nach dem schlechtestmöglichen Fall gefragt wurde, blieb ein großer Teil der Schätzungen zu optimistisch. Der Fehler verschwindet also nicht, indem man vorsichtiger schätzt.

Auffällig ist, dass derselbe Mensch die Dauer *fremder* Vorhaben deutlich realistischer einschätzt. Es fehlt kein Wissen, sondern der Abstand: Beim eigenen Vorhaben denkt man den Ablauf durch, wie er laufen soll — und nicht, wie ähnliche Vorhaben tatsächlich gelaufen sind.

Für mich folgt daraus die einzige Gegenmaßnahme, die zuverlässig hilft: nicht besser nachdenken, sondern nachsehen. Wie lange hat so etwas bei mir beim letzten Mal wirklich gedauert? Genau deshalb misst zenzaa die tatsächliche Zeit — nicht um mich zu bewerten, sondern weil meine eigene Vergangenheit die einzige Korrektur ist, die bei diesem Fehler nachweislich etwas bringt.

Quellen zu diesem Beitrag

Genannt ist, was ich gelesen habe — nicht, was meine Aussagen beweist. Wo „Suchen" steht, ist die Fundstelle noch nicht einzeln bestätigt; ich trage keine Kennung ein, die ich nicht nachgeschlagen habe.

Der Zeigarnik-Effekt

Offene Dinge bleiben im Kopf — der bekannte Befund ist wackliger als sein Ruf, die neuere Erklärung ist die nützlichere.

Gemischt belegt Einzelne Bestandteile sind untersucht, die Methode als Ganzes nicht. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus.

Dass mir abends einfällt, was ich tagsüber nicht erledigt habe, kenne ich gut. Lange dachte ich, das läge an der Menge. Inzwischen glaube ich, es liegt an etwas anderem — und die Forschungsgeschichte dazu ist lehrreicher als der berühmte Effekt selbst.

Bluma Zeigarnik berichtete 1927, dass unterbrochene Aufgaben besser erinnert werden als abgeschlossene. Der Effekt ist seither als Erklärung dafür beliebt, warum einem unerledigte Dinge nachts einfallen.

Die Beweislage ist allerdings dünner, als die Bekanntheit vermuten lässt. Nachfolgeuntersuchungen kamen zu uneinheitlichen Ergebnissen, und der Effekt gilt als schwer zuverlässig herzustellen. Wer ihn als gesicherte Tatsache anführt, geht weiter, als die Daten tragen.

Interessanter ist die Präzisierung von Masicampo und Baumeister 2011: Was den Kopf beschäftigt, ist nicht die Unerledigtheit selbst, sondern das Fehlen eines Plans. In ihren Versuchen ließ die aufdringliche Beschäftigung mit einem unerledigten Ziel nach, sobald die Teilnehmenden einen konkreten Plan gefasst hatten — erledigt war dabei nichts.

Das ist der praktisch verwertbare Satz: Der Kopf verlangt keine Erledigung. Er verlangt eine Entscheidung.

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Genannt ist, was ich gelesen habe — nicht, was meine Aussagen beweist. Wo „Suchen" steht, ist die Fundstelle noch nicht einzeln bestätigt; ich trage keine Kennung ein, die ich nicht nachgeschlagen habe.

Warum Puffer keine Faulheit ist

Ein Tag ohne Zwischenraum ist kein ehrgeiziger Plan, sondern ein unbrauchbarer.

Gemischt belegt Einzelne Bestandteile sind untersucht, die Methode als Ganzes nicht. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus.

Puffer einzuplanen hat sich für mich jahrelang nach Faulheit angefühlt. Heute halte ich das für den teuersten Denkfehler meiner eigenen Planung.

Ein bis zur letzten Minute gefüllter Tag setzt voraus, dass jede Schätzung stimmt und nichts dazwischenkommt. Beides ist selten der Fall — und die Planning Fallacy sorgt dafür, dass die Abweichung fast immer in dieselbe Richtung geht.

Untersucht ist auch ein unerwarteter Nebeneffekt des Zerlegens: Wer ein Vorhaben in seine Einzelteile aufschreibt und diese schätzt, kommt in Summe auf höhere — und realistischere — Werte als bei einer Schätzung für das Ganze. Das gilt als Auspack- oder Segmentierungseffekt.

Ein Puffer ist deshalb keine Reserve für schlechte Tage. Er ist der Teil des Plans, der die bekannte Abweichung berücksichtigt.

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Genannt ist, was ich gelesen habe — nicht, was meine Aussagen beweist. Wo „Suchen" steht, ist die Fundstelle noch nicht einzeln bestätigt; ich trage keine Kennung ein, die ich nicht nachgeschlagen habe.

Was hier noch entsteht

  • Warum Aufgabenlisten Stress erzeugen
  • Warum ein Tag nicht vollgeplant werden sollte
  • Zeit schätzen lernen
  • Puffer

Aufgeführt, nicht verlinkt — diese Texte gibt es noch nicht. Sie kommen nach und nach dazu.

Passende Methoden