Prokrastination
Es ist kein Zeitmanagement-Problem — und Perfektionismus ist fast nie die Ursache.
Gut belegt Für den Kern dieser Methode gibt es mehrere unabhängige Untersuchungen, die in dieselbe Richtung zeigen.
Über Aufschieben habe ich mir lange die bequemste aller Erklärungen zurechtgelegt: Ich sei eben gründlich. Die Forschungslage sagt dazu etwas ziemlich Unbequemes.
Steels Metaanalyse von 2007 fasst mehrere hundert Untersuchungen zusammen und kommt zu einem Bild, das den üblichen Ratschlägen widerspricht. Was Aufschieben am stärksten vorhersagt, sind nicht schlechte Methoden, sondern drei andere Dinge: wie unangenehm eine Aufgabe erwartet wird, wie impulsiv jemand ist, und wie weit die Belohnung in der Zukunft liegt.
Besonders bemerkenswert ist ein Nicht-Befund. Die verbreitete Erklärung „ich schiebe auf, weil ich es perfekt machen will" hält der Datenlage nicht stand — der Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Aufschieben ist schwach und geht teilweise sogar in die andere Richtung. Die Erklärung ist beliebt, weil sie schmeichelt.
Was daraus folgt, ist unbequem und praktisch zugleich: Wenn die erwartete Unannehmlichkeit der Motor ist, hilft kein besseres System, sondern eine kleinere erste Handlung. Nicht „Steuererklärung", sondern „Ordner öffnen".
Quellen zu diesem Beitrag
- Steel, P. (2007): The Nature of Procrastination. Psychological Bulletin. Suchen (öffnet in neuem Fenster)
Genannt ist, was ich gelesen habe — nicht, was meine Aussagen beweist. Wo „Suchen" steht, ist die Fundstelle noch nicht einzeln bestätigt; ich trage keine Kennung ein, die ich nicht nachgeschlagen habe.